Einfach mal mit dem Bundeskanzler an der Theke stehen und ein Bier trinken? Das ist alles andere als selbstverständlich. Am Freitagabend ist genau das passiert – im Landgasthof Willecke in Stockum.
Friedrich Merz war direkt vom EU-Gipfel in Brüssel gekommen, um mit Feuerwehrleuten und Hilfskräften über die Waldbrände des Sommers zu sprechen. Nach der Veranstaltung fragte ich ihn spontan: „Wollen wir an der Theke noch ein Bier trinken?“ Seine Antwort überraschte mich: „Sehr gern!“
Ich kenne und unterstütze Friedrich Merz seit vielen Jahren. Trotzdem war dieser Abend auch für mich etwas Besonderes.
Als wir die Gaststube betraten, applaudierten einige Gäste spontan. Es gab Selfies, gute Wünsche und viele freundliche Gespräche. Und dann standen wir einfach gemeinsam an der Theke.
Was mich besonders beeindruckt hat, war die Atmosphäre. Da war viel Verständnis für die schwierigen Zeiten, in denen Friedrich Merz unser Land regiert. Respekt vor der Verantwortung, die er trägt. Keine pauschalen Vorwürfe oder persönlichen Unterstellungen, wie sie in den sozialen Medien so häufig zu lesen sind.
Natürlich muss nicht jeder mit seiner Politik einverstanden sein. Aber man kann unterschiedlicher Meinung sein, ohne dem anderen seine guten Absichten abzusprechen.
Am nächsten Tag sprach Friedrich Merz auf dem Deutschlandtag der Jungen Union überraschend selbst über diesen Abend. Er erzählte von der „richtig schönen Kneipe“ bei sich zu Hause und sagte, die Gespräche hätten ihm „sehr, sehr viel Zuversicht mit auf den Weg gegeben“. Und er sei nur „aus purer Vernunft“ früher gegangen, als er eigentlich wollte.
Das hat mich gefreut. Denn genau darin steckt für mich eine Botschaft, die weit über diesen Abend hinausgeht.
Unsere Demokratie lebt davon, dass wir miteinander reden. Nicht nur übereinander.
Dass wir leidenschaftlich um den richtigen politischen Weg ringen. Dass wir Regierungen kritisieren, Entscheidungen hinterfragen und Veränderungen einfordern. Aber eben auch, dass wir einander mit Respekt begegnen.
Wer mit der Politik unzufrieden ist, soll widersprechen, sich einmischen und für bessere Lösungen kämpfen. Aber die Antwort auf Enttäuschung darf nicht sein, unsere Demokratie den Extremisten zu überlassen.
Auch deshalb kandidiere ich im kommenden Jahr für den Landtag. Weil ich davon überzeugt bin, dass es sich lohnt, Verantwortung zu übernehmen, für unsere Überzeugungen einzustehen und gemeinsam um die besten Lösungen für unser Land zu ringen.
Ein Bier an der Theke löst natürlich keine politischen Probleme. Aber dieser Abend hat gezeigt, wie viel ein persönliches Gespräch bewirken kann.
Vielleicht brauchen wir davon wieder mehr: weniger Empörung übereinander und mehr Gespräche miteinander.
Und wenn selbst der Bundeskanzler aus einem Abend in einer Sauerländer Dorfkneipe neue Zuversicht schöpft, dann ist das doch ein ziemlich gutes Zeichen.